Zwischen Ernte und Existenz:
35 junge Menschen nach ihrem
Abschluss
Portraits von
Friedrich Keller-Bauer
Das Berufsausbildungsprogramm, das wir zusammen mit unserer Partnerorganisation jungen Menschen im westafrikanischen Gambia anbieten, ist eine Erfolgsgeschichte. Nach einer zweijährigen landwirtschaftlichen Ausbildung haben die Jugendlichen das Wissen und Know-how erworben, mit der Landwirtschaft ihren Lebensunterhalt zu verdienen, und das machen sie nun auch.
Anderthalb Jahre nach Abschluss des vierten Lehrgangs im Sommer 2024 besuchte ich im Zeitraum von Dezember 2025 und Februar 2026 die jungen Leute da, wo sie leben und arbeiten. Momodou Y Bah, der Geschäftsführer unserer gambischen Partnerorganisation, und ich reisten im ganzen Land umher, um sie an den entlegensten Orten aufzusuchen. Ich wollte wissen, wie es ihnen geht und wie sie zurechtkommen mit dem, was sie verdienen. Fazit: Bis auf drei junge Frauen, die ein weiterführendes Studium verfolgen, stehen alle Graduierten in Arbeit. Sie können ihren Lebensunterhalt bestreiten. Mehr als zwei Drittel der 35 Befragten arbeiten in der Landwirtschaft.
Das ist eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte. Ein Anfang voller Hoffnungen ist gemacht. Aber wie geht es weiter? Die jungen Menschen haben Träume für ihre Zukunft. Diese möchten sie in eine nachhaltige Lebenplanung eingebettet sehen.
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Ich beschreibe die Lebensumstände der Jugendlichen von Fall zu Fall, mal mehr, mal weniger ausführlich. Immer aber gebe ich Kerndaten wie die Art der Beschäftigung, das monatliche Einkommen sowie dessen Verwendung und die beruflichen Zukunftspläne wieder. Die Belastungen der jungen Menschen sind enorm. Wenn sie verdienen, müssen sie unverzüglich auch für die Familie sorgen. Ein Gutteil des Einkommens geht für Mütter, Väter und kleinere Geschwister ab. Einen Sozialstaat, wie wir ihn seit anderthalb Jahrhunderten kennen, gibt es nicht. Was dann noch bleibt für die Bildung von Rücklagen, ist nicht viel, und es wird Jahre brauchen, um sich mit dem Ersparten ein eigenes Business aufzubauen.
Nehmen wir ein Beispiel: Egan und Marun, die ich im Folgenden portraitiere, verdienen jeweils 5.000 Dalasi, gut 60 EURO im Monat, was guter Durchschnitt ist. Davon gehen 2.000 Dalasi für ihre Familien ab, 2.000 Dalasi können sie sparen, 1.000 Dalasi brauchen sie für ihren täglichen Bedarf. 2.000 Dalasi, rund 25 Euro, kann Egan für ihren Traum, eine Hühnerfarm aufzubauen, im Monat zurücklegen. Wenn alles gut läuft, hat sie nach 12 Monaten 300 Euro gespart. Nach 10 Jahren hätte sie dann genug Geld, um mit eigenen Hühnern anzufangen. Egan wird am 23. April 2026 23, sie will eine eigene Familie gründen, Kinder haben.
Jungen Menschen wie Egan und Marun eine qualifizierte Berufsausbildung zu bieten, ist eine Sache und überhaupt Voraussetzung dafür, dass sie eine Chance haben, mit ihrem Können und ihrer Kraft eine Lebensgrundlage für sich und ihre Familie zu schaffen. Aber nachhaltige Entwicklungsarbeit ist mehr. Im Kern geht es um die Verwirklichung der Lebensträume der jungen Menschen. Das ist ein hoher, aber auch komplexer Anspruch, verbunden mit einem Konglomerat entsprechender Maßnahmen. Einzelne Maßnahmen müssen aufeinander abgestimmt und der jeweiligen Geschäftssituation angepasst werden. Daran arbeiten wir. Konkret geht es zum Beispiel darum, jungen Kleinbäuerinnen und -bauern angemessene Finanzhilfen zum Aufbau ihrer Betriebe bereitzustellen und sie bei deren Einsatz beratend zu begleiten.
Die nachfolgenden Portraits bieten keine Lösungen im Einzelnen an. Sie wollen Verständnis schaffen für die Situation, in der sich die jungen Leute befinden. Erst aus solchem Verständnis können die richtigen Lösungen erwachsen.
Mamadi J.
geb. 21.06.2002
Zusammen mit seinen ebenfalls aus dem vierten Lehrgang hervorgegangenen Kollegen Lamin und Musa arbeitet Mamadi auf einer großen Gemüse- und Hühnerfarm in Faraba Sutu in der West Coast Region. Sein monatliches Einkommen beträgt 5.000 Dalasi, rund 60 Euro, davon gehen 3.000 Dalasi, knapp 40 Euro an die Familie. Über kurz oder lang wird er die Farm verlassen.
Mamadi strahlt über das ganze Gesicht. Er ist einer von insgesamt 5 Gewinnern eines Wettbewerbs, den wir zusammen mit der Food and Agriculture Organization der UN im Rahmen eines größer angelegten Projekts veranstaltet haben. Ausgelobt waren Zuschüsse von jeweils 250.000 Dalasi, sprich 3.500 USD, für eine landwirtschaftliche Unternehmensgründung.
In Mamadis Fall kam ein Darlehen von 90.000 Dalasi, rund 1.000 EURO, von uns für den Kauf des Viehbestands hinzu. Sein Plan: Hammelmast, in muslimischen Ländern wie Gambia ein lohnendes Business, das stark periodisch geprägt ist vom islamischen Opferfest, landläufig auch Hammelfest genannt. Lucky guy.
Amie B.
geb. 24.11.2002
Amie arbeitet in Jambur, West Coast Region, auf einer Hühnerfarm mit ein paar Tausend Legehennen, zum Teil in Bodenhaltung, zum Teil in Batteriehaltung. Amie verdient 5.000 Dalasi (60 Euro) und erwartet eine Erhöhung Anfang 2026 auf 6.000 Dalasi. Sie unterstützt ihre Familie mit 25 Euro im Monat, 25 Euro werden zurückgelegt, gut 10 Euro bleiben für die täglichen Bedürfnisse.
Die Unterkunft auf der Farm wird zur Verfügung gestellt, für das Essen muss sie selbst sorgen. Die Kosten dafür teilt sie sich mit Dawda, der ebenso auf der Farm arbeitet. Ich konnte einen Blick in den fensterlosen Raum, in dem sie schläft, werfen. Neben einem Plastiksack mit ihren Habseligkeiten, einem Behälter mit einem Wasserglas auf einem Schemel und einer Trinkflasche auf dem Bett, ist nichts Weiteres zu sehen.
Amie ist eine Schafferin. Sie will eine eigene Hühnerfarm aufbauen. Mithilfe eines zinsgünstigen Darlehens könnte sie es schaffen.
Mamadou J.
geb. 21.06.2002
Mamadou arbeitet auf der Farm eines bekannten Sportjournalisten in Banyaka in der West Coast Region. Die Farm kommt mir vor wie ein großes interessantes Experimentierfeld, neben diversen aus Italien importierten Rebstöcken gedeihen alle möglichen Obstsorten auf dem grob anderthalb Hektar großen Areal. Mamadou wird mit 6.500 Dalasi (80 Euro) monatlich gut bezahlt, davon kann er 50 Euro zurücklegen. Er ist bei einer Familie in Banyaka untergekommen.
Überhaupt scheint er ein außergewöhnlich kreativer und kluger Kopf zu sein. Sein Plan: Wenn er genug gespart hat, will er Maden für die Hühnermast und Fischindustrie züchten, wie er es in der Ausbildung gelernt hat. Im Vergleich zu einem Gemüsegarten oder der Haltung von Legehennen braucht er gerade mal 50.000 Dalasi (600 Euro), was 12 Monate Sparen bedeutet. Und da ist er gut dabei. Auf dem Bild ist er mit Momodou zu sehen.
Dawda D.
geb. 03.06.2003
Dawda arbeitet mit Amie zusammen auf einer Hühnerfarm in Jambur in der West Coast Region. Seine Einkommensverhältnisse sind gleich wie bei Amie, 5.000 Dalasi (60 Euro) monatlich, davon gehen 25 Euro an die Familie, 25 Euro werden gespart, gute 10 Euro bleiben für den täglichen Bedarf. Ab Januar soll es 6.000 Dalasi geben. Hoffentlich. Auch Dawda schuftet für ein Leben als selbständiger Farmer, da, wo er herkommt, im Osten des Landes in der Central River Region.
Saruba J.
geb. 26.06.2002
Saruba arbeitet zusammen mit Amie B. und Dawda D. auf einer größeren Hühnerfarm in Jambur in der West Coast Region und nimmt dort eine leitende Funktion ein. Sie verdient 6.000 Dalasi (75 Euro), davon führt sie 3.000 Dalasi an die Familie ab und legt 1.500 Dalasi zurück als Ersparnis. Ihr Plan: Hühnerhaltung.
Bei 2.500 Legehennen kommt sie auf 56 Kartons á 30 Eier, insgesamt 1.680 Eier pro Tag. Das entspricht einer Legerate von 0,67 pro Huhn, was laut Momodou nicht schlecht ist. Sie macht einen sehr tüchtigen Eindruck. Ich denke, mit entsprechendem finanziellem Support kann sie es schaffen.
Kaddijatou W.
geb. 16.03.2002
Kaddijatou arbeitet in einem Compound in Busumbala in der West Coast Region in der Nähe des Flughafens Banjul. Auch sie kommt aus dem Osten des Landes, aus der Central River Region.
Wie viele in ihrem Alter berichtet sie vom frühen Dahinscheiden ihrer Eltern und dem Aufwachsen bei irgendwelchen Tanten oder Onkeln. Momodou hat mich vorbereitet, sie ist gehbehindert. Der Compound, in dem sie sich aufhält, weist einen großen Innenhof auf, in dem sich zum Zeitpunkt unseres Besuchs eine riesige Anzahl von Kindern im schulpflichtigen Alter versammelt hat. In chorähnlichem Singsang zitieren die Kleinen Koranverse.
Kaddijatou führt uns in den hinteren Teil des Gebäudes, in dem sie uns die Schafe präsentiert. Dafür ist sie jetzt zuständig. 5.000 Dalasi (60 Euro) kriegt sie dafür, davon gehen gut 10 Euro für ihre Familie ab, 30 Euro braucht sie für ihre persönlichen Belange; die Unterkunft ist zwar kostenlos, auch das Mittagessen, aber nicht das Frühstück und das Abendessen. Der Rest geht in die Ersparnisse. Ihr Plan: eigene Schafe mästen.
Fatou J. B.
geb. 26.09.2000
Fatou arbeitet als Kellnerin in Brufut Heights Beach, West Coast Region, in einem Strandlokal. Das befindet sich derzeit im Umbau, wann es wieder öffnet, kann sie nicht sagen. Bei unserem Besuch verputzen zwei Touristen aus Frankreich gerade die Wände des Gastraums. Haben sie die Location angemietet? Wer betreibt sie?
Fatou verdient 3.000 Dalasi im Monat, das sind knapp 40 EURO. Als Erstgeborene unterstützt sie ihre Familie mit 30 EURO, der Rest bleibt für sie zum Leben. Beim Weggehen frage ich mich, welches Leben das sein könnte. Fatou lebt in prekären Verhältnissen, zweifelsohne. In ihrer Abschlussarbeit vor einem Jahr schreibt sie noch, sie wolle eine Hühnerfarm betreiben und mit ihrem Wissen und Know-how ihre Familie ernähren. Ich erwähne, dass wir einen Darlehensfonds aufgelegt haben. Sie möge sich doch um ein Darlehen für ihr Business mit Legehühnern bewerben.
Lamin D.
geb. 03.04.2004
Lamin arbeitet zusammen mit Mamadi auf einer großen Gemüse- und Hühnerfarm in Faraba Sutu in der West Coast Region. Sein monatliches Einkommen beträgt 5.000 Dalasi, rund 60 Euro, davon gehen 25 Euro an die Familie. Sein Plan: Schafsmast.
Foday L.
geb. 31.01.2002
Foday lebt in Japineh in der Lower River Region auf dem elterlichen Anwesen. Er hat ein paar Mal größeres Glück gehabt. Seine Familie besitzt hinter dem Wohngebäude ein Stück Land von gut einem drittel Hektar, das durch eine Mauer geschützt ist. Darauf kann er Gemüse anbauen.
Und er hat an dem Wettbewerb, den die FAO, Sabab Lou und die gambische Partnerorganisation ausgelobt haben, teilgenommen und ist wie Mamadi J. als einer von fünf Gewinnern hervorgegangen. Er hat einen Zuschuss von 290.000 Dalasi, etwas mehr als 3.500 EURO, erhalten und konnte damit das Nötigste zum Start eines Gemüsebetriebs beschaffen wie z.B. ein solares Bewässerungssystem, Saatgut, einen Motorroller, Werkzeug zur Bodenbearbeitung.
Er strahlt über das ganze Gesicht, stellt sich mitten in seine Beete und breitet die Arme aus. Mein Land, mein Leben jetzt. Wir sagen ihm, er solle sich um die Erweiterung seines Betriebes kümmern, vor allem um mehr Land. Dem das angrenzende Land gehörenden Mann könnte er im Tausch ein Stück Wald, das seine Familie besitzt, anbieten.
Musa C.
geb. 23.06.2002
Musa arbeitet zusammen mit Mamadi und Lamin auf einer großen Gemüse- und Hühnerfarm in Faraba Sutu in der West Coast Region. Sein monatliches Einkommen beträgt 4.500 Dalasi (55 Euro), davon gehen 25 Euro an die Familie. Weil er etwas später als Mamadi und Lamin kam, wird sein Lohn erst demnächst auf 5.000 Dalasi (60 Euro) aufgestockt. Sein Plan: Schafsmast.
Buba J.
geb. 05.11.2002
Buba arbeitet auf einer großen Gemüsefarm in Shom in der West Coast Region. Er verdient nicht schlecht, 7.000 Dalasi (knapp 90 Euro), davon gehen 25 Euro an seine Mutter, 25 Euro an den Vater, 25 Euro kann er sparen. Die Unterkunft ist kostenlos, für das Essen muss er selbst sorgen. Sein Plan: Gemüsebau und Schafsmast.
Yusupha B.
geb. 14.02.2002
Yusupha arbeitet seit Juli 2025 zusammen mit Bubacarr Saidykhan auf einer Gemüsefarm in Dimbaya in der West Coast Region. Er verdient 5.000 Dalasi (60 Euro) im Monat, davon gehen 30 Euro an die Familie. Unterkunft und Essen werden gestellt.
Bei unserer Ankunft um die Mittagszeit waren 5 fangfrische Fische vor einer Feuerstelle abgelegt. Zuvor hatte Yusupha in einem anderen Arbeitsverhältnis nur 4.000 Dalasi (50 Euro) bekommen.
Bubacarr S.
geb. 08.05.2001
Zusammen mit Yusupha arbeitet Bubacarr auf einer Gemüsefarm in Dimbaya in der West Coast Region. Er verdient 5.000 Dalasi (60 Euro) im Monat, davon gehen 30 Euro an die Familie. Sein Plan: eine Gemüsekultur in Jarra, das Land gehört der Familie.
Fatou C.
geb. 26.03.2002
Fatou arbeitet seit 1. Juli 2025 auf einer Hühnerfarm in Nyofelleh in der West Coast Region. Sie verdient 4.500 Dalasi, rund 55 Euro, im Monat und gibt das ganze Geld weiter an ihre Familie. Essen und Unterkunft sind kostenlos. Sie sagt, dass sie am 25. Juli 2025 geheiratet habe.
Wir fragen nach ihrem Mann, was er macht und wo er lebt. Da, wo sie untergebracht ist, vor ihrem Zimmer lächelt sie in die Kamera, da wo sie arbeitet bei den Kücken und den Fotografen nicht bemerkt, ist der Blick auf ein anderes, fernes Ziel gerichtet.
Amie S.
geb. 08.08.2003
Amie lebt bei Verwandten in Lamin in Flughafennähe. Nach ihrem Abschluss studiert sie Tierhaltung am College. Ich frage nach den Studiengebühren: 12.000 Dalasi (150 Euro) pro Jahr, das Geld sei von der Familie vorgestreckt worden. Ihr Plan danach noch nicht sicher.
Mariama W.
geb. 16.10.2001
Mariama arbeitet an der Rezeption im Tropic Garden Hotel in Fajara von morgens 8 bis nachmittags 4 Uhr mit einem Arbeitslohn von 3.500 Dalasi (etwas mehr als 40 Euro), wovon 12 Euro an ihre Mutter und 12 Euro in Ersparnisse gehen.
Als wir uns in der Hotelloby niederlassen, kommt sofort ihre Vorgesetzte hinzu und weicht nicht, bis wir das Gespräch beenden. Ich bin so frei anzumerken, dass ich Mariamas Lohn für dürftig oder bescheiden (Englisch: poor) halte. Sie wolle darüber nachdenken, sagt die Vorgesetzte.
Sulayman J.
geb. 11.04.2004
Sulayman arbeitet auf dem Tallindning Market am Brikama Highway am Stand seines Onkels. Vorher habe er auf einer Farm für wenig Geld gearbeitet. Jetzt verdiene er 10.000 Dalasi, rund 120 Euro. Sulayman ist ein Schlitzohr, wir glauben ihm nicht so recht.
Übrigens, wieder jede Menge holländische Zwiebeln und indische Eier auf dem Markt. Verkehrte Welt.
Abdoulie J.
geb. 24.07.2003
Abdoulie arbeitet im Ladengeschäft seines Bruders in der Nähe von Senegambia. Er verdient 4.000 Dalasi, 50 Euro. Mit seinem Verdienst betreibt er einen Handel mit Modeartikeln wie Damenhandtaschen und Schuhen über Social Media.
Sein Plan: mit landwirtschaftlichen Hilf- und Betriebsstoffen handeln in CRR, seiner Heimat.
Codeh J.
geb. 27.09.2003
Codey lebt bei Verwandten in Brusubi Phase 1. Nach dem Abschluss ihrer Ausbildung studiert sie Tierhaltung in Kombos in der Nähe der Hauptstadt wie Amie S. .
Susan C.
geb. 29.11.2000
Susan arbeitet auf einer Farm in Medina Salaam in der Nähe von Kartung an der Grenze zur Casamance. Auf der größeren Farm werden Schweine, Enten, Hühner, Perlhühner u.a. gehalten. Susan macht einen tüchtigen Eindruck. Sie war eine der Kandidaten für das FAO-Projekt, kam aber leider nicht in die Auswahl der letzten fünf, die einen Zuschuss bekamen.
Sie verdient mit 6.000 Dalasi (75 Euro) im Monat vergleichsweise nicht schlecht, davon gehen rund 30 Euro an ihre jüngeren Geschwister, 30 Euro kann sie zurücklegen. Ich ermutige sie, sich für ein Darlehen zu bewerben. Die christliche Familie kommt aus Guinea-Bissau, ihre Mutter lebt in Portugal, der Vater in Kombos.
Egan S.
geb. 15.04.2003
Egan arbeitet zusammen mit Marun Jallow seit Juni 2025 auf einer größeren Gemüsefarm in Sinchu Wurry an einem ziemlich entlegenen Ort in der West Coast Region. Sie verdient 5.000 Dalasi (gut 60 Euro), davon gehen 25 Euro für ihre Familie ab, 25 Euro kann sie sparen.
Zuvor hat sie auf einer Farm der indisch-britischen Handelsgesellschaft Radville Farms für einen Tageslohn von 150 Dalasi gearbeitet, und das 6 Tage in der Woche. Das entspricht einem Monatslohn von 3.600 Dalasi (45 Euro), eine Form von Ausbeutung.
Ihr Plan, wenn sie genug Geld zusammen hat: Legehennenhaltung. Der Garten, in dem sie und Marun arbeiten, sieht gepflegt aus.
Marun J.
geb. 13.09.2002
Marun arbeitet seit Juni 2025 zusammen mit Egan auf einer Gemüsefarm in Sinchu Wurry. Sie verdient 5.000 Dalasi (60 Euro) im Monat, davon gehen 25 Euro ab an die Familie, 20 Euro werden zurückgelegt. Ihr Plan: Viehhaltung, was immer sie sich darunter vorstellt.
Die Farm wird wie üblich von Mauern umgrenzt, die beiden jungen Frauen sind Tag und Nacht allein. Als wir uns verabschiedet haben, stehen sie vor dem Einlass und winken uns schüchtern zu. Ich frage mich, was für ein Leben sie wohl erwartet.
Karamo D.
geb. 26.10.1998
Karamo arbeitet zusammen mit einem Kollegen in einem Gemüsebetrieb in Soma. Unterkunft und Verpflegung sind kostenlos. Wir haben uns auf der Straße zwischen Soma und Farafenni kurz vor Einbruch der Dunkelheit getroffen.
Er verdient 5.500 Dalasi (70 Euro) im Monat, davon gehen 2.500 Dalasi an die Familie, 1.500 Dalasi legt er zurück, der Rest ist für persönliche Belange. Sein Plan: Hühnerhaltung.
Kaddijatou B.
geb. 28.5.2004
Kaddijatou haben wir am Straßenrand in Brikama auf dem Weg nach Soma getroffen. Sie ging nach der Ausbildung aufs College und studiert Tiergesundheit zusammen mit Amie S. . Studiengebühr 12.000 Dalasi (150 Euro) pro Jahr.
Alagie S. D.
geb. 14.06.2000
Es war schon dunkel, als wir den Wohnort Alagies in Bureng erreichen. Alagie erzählt uns, dass er im Zuge seines Vorhabens, eine Hühnerfarm aufzubauen, schon angefangen habe, einen Stall zu bauen.
Er war in gutem Glauben, dass seine Brothers, wie er sie bezeichnet, ihm das Grundstück, auf dem er angefangen hatte zu bauen, überlassen würden. Nur war dem halt nicht so. Sie reklamierten das Eigentum für sich. Das Geld für den Rohbau, das er sich mühsam erspart hat, ist weg.
Pech gehabt, könnte man sagen. Mir tut der Kerl leid. Zwei Jahre Ausbildung, dann will er schnellstmöglich seinen Traum verwirklichen und landet im Dunkeln. Alagie ist nicht allein mit dieser bitteren Erfahrung.
Ich kenne große Hilfsorganisationen, die das Eigentum an Grund und Boden, auf denen sie landwirtschaftliche Einrichtungen erstellt haben, nicht gesichert haben. Ein Klassiker bei Entwicklungsprojekten.
Jankey S.
geb. 08.04.2002
Das Gespräch findet in einem großen Gehöft in Dingirai statt, zirka fünf Kilometer nördlich von Wassu, in der Central River Region gelegen. Jankey arbeitet an einer Tankstelle in Wossu und verdient 4.000 Dalasi (50 Euro). Sie sagt, sie wolle mit Hühnern arbeiten, wirkt aber noch sehr unbestimmt.
Yama S.
geb. 18.01.2003
Yama arbeitet an derselben Tankstelle in Wassu wie Jankeh. Sie sagt, sie verdient 6.000 Dalasi (75 Euro). Ihr Plan: Hammelmast.
Awa S.
geb. 24.09.2004
Awa kommt aus derselben Großfamilie wie Jankey und Yama und lebt auch im selben Gehöft in Dingirai. Sie hat erst vor kurzem 100 Kücken von so genannten Zweinutzungshühnern über einen Projektantrag bei der International Organization of Migration (IOM) bekommen und erwartet zeitgleich zu unserem Besuch eine Kohorte junger Masthähnchen.
Zweinutzunghühner können sowohl für die Eierproduktion wie für die Fleischgewinnung gehalten werden. Darüber hinaus unterhält sie noch einen Hammel und drei Schafe. 100 bis 150 Masthähnchen verkauft sie in einem zweimonatigen Turnus für 400 Dalasi (5 Euro) pro Stück. Sie ist verheiratet und hat ein Kind. Der Mann arbeitet in Kombos. Starke Frau.
Ida S.
geb. 06.02.2004
Ida arbeitet in einem Shop für Drucksachen und Bürobedarf in Wassu in der Central River Region, direkt gegenüber der Tankstelle, wo Jankey und Yama arbeiten. Sie verdient 6.000 Dalasi (75 Euro) im Monat, davon gehen 2.500 Dalasi an die Familie, 2.500 Dalasi kann sie als Ersparnisse zurücklegen.
Bis Dezember 2025 war sie in einem landwirtschaftlichen Betrieb in der West Coast Region tätig, ist nun aber zurück in der Central River Region. Ihr Plan: wieder einsteigen in die Landwirtschaft entweder mit Gemüse oder Hühner. Sie macht einen tüchtigen und entschlossenen Eindruck.
Sarjo J.
geb. 22.12.2002
Wir treffen Sarjo in Farafenni in einem Compound, wo er ein Zimmer für 1.000 Dalasi (12 Euro) im Monat angemietet hat. Vor anderthalb Jahren hat er die Ausbildung als einer der besten abgeschlossen. Er bezeichnet sich als Künstler und zeigt mir stolz ein paar Portraits, eines bildet einen Minister ab, ein anderes den Präsidenten Barrow. Er hat sie alle manuell angefertigt, und er zeigt mir den Karton, in dem seine Stifte liegen.
Er stattet auch Gebäude mit Wandmalereien aus und sagt, er habe rund drei Jobs im Monat. Für die Abschlussfeier im November 2024 hat er das Podium gestaltet. Die Frage, ob er in der Landwirtschaft arbeiten wolle, beantwortet er entschieden mit nein.
Ich lege ihm nahe, sich auf einer Kunstgewerbeschule zu bewerben; vielleicht gibt es in Dakar entsprechende Einrichtungen, wo er sich auch um ein Stipendium bemühen kann. Sarjo ist eine starke, beeindruckende Person. Ich traue ihm zu, dass er es als Künstler schafft. Auch in Senegal oder Gambia.
Alagie J.
geb. 06.10.1998
Alagie, den wir im Dezember auf einer Farm in der West Coast Region besucht hatten, ist inzwischen in sein Heimatdorf Sanda in der Central River Region zurückgekehrt und hat mit einem Darlehen von 90.400 Dalasi, etwas mehr als 1.000 Euro, eine Schafsmast mit 5 Hammeln und 2 Schafen angefangen.
Sanda liegt ziemlich entlegen auf der Höhe von Wassu in der Nähe der Grenze zu Senegal. Kein Strom. Die Armut ist den Menschen ins Gesicht geschrieben. Während Momodou sich zu seinem Mittagsgebet zurückzieht, sitze ich im Haus der Familie, und Alagie bietet mir Erdnüsse an.
Ein Kühlschrank, den eine Hilfsorganisation geschenkt hat, steht seit zwei Jahren ungenutzt neben uns. Hammel und Schafe sehen gut aus. Aber reicht das für ein besseres Leben?
Assan B.
geb. 11.08.1999
Er ist seit August 2025 dort tätig und verdient 6.000 Dalasi (75 Euro) im Monat. Davon gibt er 3.000 Dalasi an seine Familie ab und 2.000 Dalasi legt er für sich selbst zurück. Sein Plan: eine eigene Gemüsefarm.
Maimuna G.
geb. 09.10.2001
Maimuna arbeitet zusammen mit Jainaba C. und Mafanta J. seit Mai 2025 auf einer größeren Gemüsefarm in Alkali Kunda in der North Bank Region. Arbeitszeiten sind von 8.00 bis 11.00 und von 4.00 bis 6.00 Uhr nachmittags.
Sie verdient 6.000 Dalasi (75 Euro) im Monat, davon gehen 3.000 Dalasi an die Familie, 2.000 Dalasi braucht sie für persönliche Belange. Zu Ersparnissen macht sie keine Angaben. Ihr Plan: Hammelmast.
Jainaba C.
geb. 03.06.2001
Jainaba arbeitet zusammen mit Maimuna und Mafanta seit Mai 2025 auf einer Gemüsefarm in Alkali Kunda in der North Bank Region. Arbeitszeiten sind von 8.00 bis 11.00 und von 4.00 bis 6.00 Uhr nachmittags.
Sie verdient 6.000 Dalasi (75 Euro) im Monat, davon gehen 2.500 Dalasi an die Familie, 2.500 Dalasi braucht sie für persönliche Belange. Zu Ersparnissen keine Angaben. Ihr Plan: Hammelmast.
Mafanta J.
geb. 17.06.2001
Mafanta arbeitet zusammen mit Jainaba und Maimuna seit Mai auf einer Gemüsefarm in Alkali Kunda in der North Bank Region. Arbeitszeiten sind von 8.00 bis 11.00 und von 4.00 bis 6.00 Uhr nachmittags.
Sie verdient 6.000 Dalasi (75 Euro) im Monat, davon gehen 3.500 Dalasi an die Familie, 1.500 Dalasi braucht sie für persönliche Belange. Zu Ersparnissen keine Angaben. Ihr Plan: Hammelmast.
Dank
Der Geschäftsführer unserer gambischen Partnerorganisation, Momodou Y Bah, hat mir den Zugang zur Arbeitswelt der jungen Menschen eröffnet. Momodou hat mich im ganzen Land herumgefahren. Da zahleiche der Ortschaften, weil abseits gelegen, auch auf Google nicht ausgewiesen waren, hätte ich mich nur schwerlich alleine zurechtgefunden.
Vor allem aber waren es die Gespräche mit Momodou, über die ich die Sorgen und Mühen der jungen Leute, ihren Kampf um ein würdiges, menschengerechtes Leben verstehen lernte. „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“. (Antoine de Saint-Exupéry)
Danke, Momodou.
Ich hab dann meine naiven, wenn auch nicht ganz trivialen Fragen gestellt und einfach nur die Kamera hingehalten.