Erfolg und Misserfolg – Zwei Small Business-Portraits

Asibi Azumbela und Majeed Yahaya sind zwei von 31 Kreditnehmerinnen und Kreditnehmer in Ghana, die 2017 finanzielle Unterstützung für die Umsetzung ihrer Geschäftsideen erhalten haben. Lesen Sie zwei Portraits.

Die Small Business-Kredite in Chereponi, im Nordosten Ghanas, waren ursprünglich an das Anoshe Women-Projekt angelehnt und wurden von den Mitarbeitern von der lokalen Organisation vor Ort mit verwaltet. Aufgrund der hohen Expertise der First Step Foundation (FSF) im Bereich Mikro- und Kleinkredite wurde 2017 entschieden, alle Kreditprogramme unter dem Dach der FSF in Offinso zusammenzuführen. Mit der FSF arbeiten wir bereits seit 2010 sehr erfolgreich zusammen, daher bot sich dieser Know-How-Transfer an.

Zusammengefasst laufen nun vier Programme unter der Ägide der FSF

  • Mikrokredite Offinso
  • Small Business-Kredite Chereponi (ursprünglich angelehnt an das Anoshe Women-Projekt)
  • Small Business-Kredite Offinso
  • Mikrokredite Chereponi (neues Mikrokreditprogramm in Chereponi)

Asibi Azumbela

35 Jahre alt, verheiratet, 2 Kinder mit 5 und 15 Jahren, Kreditsumme 1.000 GHS in 2017

Foto von Asibi, Small Business Kreditnehmer in ©First Step Foundation

Asibi ist eine Kreditnehmerin der ersten Stunde. Sie beantragte und erhielt 1.000 GHS um ihr bis dahin kleines Bäckereihandwerk auf breitere Beine zu stellen. Mit dem Kredit schaffte sie sich einiges an zusätzlicher Ausstattung an (wie z.B. mehr Backformen und grössere Schüsseln) und konnte ihre notwendigen Zutaten in grösseren Mengen einkaufen. Wir kannten das im Vergleich sehr, sehr gute Brot von Asibi und hatten keinen Zweifel an ihrem Erfolg.

Doch nicht alle Berichte die wir bringen können sind Erfolgsgeschichten. Asisbi startete gut, zahlte regelmässig ihre Raten und sie hatte bereits Rücklagen in Höhe von rund 400 GHS aufgebaut.

Dann kamen jedoch 2 Rückschläge. Sie kaufte Mehl , bemerkte beim Backen jedoch, dass es sich wohl nicht um das übliche Weizenmehl handelte sondern Mehl aus einer anderen Getreideart. Leider hatte sie bei der Lieferung nicht darauf geachtet dies sofort zu überprüfen. Das Brot wurde hart und ging nicht auf – verkaufte sich dadurch schlecht bzw. gar nicht. Das Mehl konnte sie daher nicht weiter verwenden. Als wäre das nicht schon schlimm genug wurde ihre Mutter krank und die Rücklagen von Asibi waren notwendig, um die Behandlungskosten zu decken.

Das Darlehen war bis zu dem Zeitpunkt bis auf 250 Cedis zurückgezahlt, allerdings war kein Mehl da, um wieder das Backen anzufangen und kein Geld, um neues Mehl zu kaufen. Asibi sitzt nun nach wie vor auf ihrer Restschuld und kämpft hart darum, diese auch noch zu begleichen. Wir hätten nun eigentlich Asibis Bürgen in Anspruch nehmen müssen oder aber die verbleibende Restschuld abschreiben müssen.

Doch Asibi bittet um keinen Schuldenerlass, noch fragt sie nach weiterer Unterstützung. Sie nimmt ihr Schicksal selbst in die Hand und wird kreativ. Sie findet über das öffentliche Programm zur Stadtreinigung eine zusätzliche Arbeit als Straßenfegerin und macht sich nun jeden Morgen auf, um die Straße zu fegen. Die Zeit dazu, wieder auf die Beine zu kommen geben wir ihr, weil wir sehen wie sehr sie für sich und ihre Kinder kämpft.

Majeed Abdul Yahaya

29 Jahre alt, Kreditnehmer seit 2017, Kreditsumme 2.000 GHS

Foto von Majeed, Small Business Kreditnehmer in ©First Step Foundation

Majeed wohnt im Dorf Nansoni. Er hat eine Ausbildung als Lehrer aber keine Anstellung Deswegen musste er sich etwas anderes einfallen lassen und bewarb sich für einen Small Business Kredit. Seit 2017 betreibt er ein kleines Geschäft mit sogenannten mtn credits. Dabei handelt es sich über ein in Ghana gängiges Zahlungssystem das in der Regel über das Handy abgewickelt wird. Ein Händler verkauft sogenannte Credits für alle gängigen Mobilfunkanbieter. Die Credits sind ein Geldsurrogat mit denen via Handy dann bezahlt oder auch Beträge gutgeschrieben werden können. Die Credits können sowohl auf ein Bankkonto transferiert als auch in bar ausgezahlt werden. Da Bankkonten und Banktransfers im ländlichen Raum und insbesondere in den kleinen Dörfern unüblich sind, herrscht nach dieser Zahlungsform eine sehr hohe Nachfrage und stellt eine wichtige Säule des Zahlungsverkehrs dar. Wie bei jedem Handelsbetrieb muss Majeed die Credits für die unterschiedlichsten Mobilfunkanbieter zunächst selbst anschaffen. Um diese erste Investition tätigen und mit dem Geschäft starten zu können beantragte er 2017 den Kredit. Er verkauft die Karten in seinem Heimatdorf und an Markttagen auch in der Distrikthauptstadt Chereponi.

Der Verdienst für den Händler liegt in der Marge, die er beim Verkauf der Credits erhält.

Er hat sich inzwischen einen grossen und treuen Kundenstamm aufgebaut, sodass er auch hinsichtlich seiner Konkurrenten gut positioniert ist. Insbesondere an Markttagen kann er seinen Stand nicht alleine betreiben und beschäftigt dann an diesen Tagen auch eine weitere Person.

Majeed ist nicht verheiratet und lebt mit seiner Großfamilie mit insgesamt 14 Personen im elterlichen Compound. Mit seinem Einkommen unterstützt er die Familie, er legt aber auch kleine Beträge zur Seite da er gerne weiterstudieren möchte. Ein Studienjahr kostet inkl. Unterbringung rund 350 – 400 EUR pro Jahr und er muss eisern sparen, möchte er sich diesen Wunsch erfüllen.

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